Gegen 17 Uhr sind wir dann in Prince Rupert eingelaufen. Da es keine
Busverbindung zu unserer nächsten Bleibe, dem Pioneer Hostel, gab,
wurden wir von der Besitzerin des stylischen und gemütlichen Hostels
abgeholt. Die Bettwäschen und Lampen passten nämlich sogar zu der
jeweiligen Wandfarbe des Zimmers, Lea konnte ihr Glück kaum fassen.
Unser Abendessen fiel etwas mager aus – wie überhaupt jedes Essen in
diesen Tagen. Wir haben nämlich die Feiertage komplett unterschätzt und
waren daher immer auf die wenigen offenen Restaurants bzw. Läden
angewiesen, die es so gab. In ganz Prince Rupert war das ein Liquid
Store und eine Tankstelle und so haben wir uns an diesem Abend mit Chips
und Wein zufrieden gegeben und sind am nächsten Morgen natürlich ohne
Frühstück wieder losgezogen.
Und zwar bei einem Schneesturm. Ich musste bei diesem Wetter morgens
auch noch Geld holen, während Lea die Sachen gepackt hat und dann sind
wir mit einem chinesischen Taxifahrer, bei dem ich wirklich nicht
wusste, ob er nun Englisch oder Chinesisch spricht zum Bahnhof gefahren, wo unser Zug dieses Mal überpünktlich, dh. 5
Minuten zu früh, abgefahren ist. Die Kanadier haben es echt nicht
raus
Im Zug waren wir einfach nur hungrig, weil wir dort unsere letzten Brot
und Käsereste bereits aufgebraucht hatten und dann zu unserem
Erschrecken feststellen mussten, dass wir für 10 Stunden in einem Zug
ohne Speisewagen festsitzen würden. Aber zum Glück gibt es ja die Zeugen
Jehovas! Neben uns saß nämlich eine ganze Gruppe von denen und eine der
Frauen hat uns etwas von ihrem Salat abgegeben. Dafür mussten wir
natürlich für einige Fotos posieren, aber das haben wir dafür gerne
gemacht.
Als Dankeschön haben sie außerdem eine der beiden Lindt-Schokoladen, die
ich aus Deutschland mitgebracht habe, bekommen und eine von den Frauen
hat uns dann absolut ausreichende 10$ gegeben, damit wir ihr weitere
Schokoladentafeln aus Deutschland nach Kanada schicken.
Unser Zug kam sogar pünktlich in Prince George an. Hungrig waren wir
natürlich immer noch und da damit zu rechnen war, dass die meisten Läden
immer noch zu waren, waren wir heilfroh darüber, uns eine etwas teurerer
B&B- Übernachtung (90$) reserviert zu haben. Die Frau hatte uns nämlich
zuvor versprochen, uns vom Bahnhof abzuholen und am nächsten Morgen nach
einem Frühstück auch wieder zum Bus zu bringen.
Tja, das Problem war nur, dass sie eingeschneit war und uns nicht
abholen konnte. Wir mussten daher in einem Motel schlafen, dessen
einziger (!) Vorteil die zentrale Lage war und waren ziemlich
enttäuscht.
Und es wurde nicht besser, als wir das Zimmer betreten haben und es –
sagen wir mal – etwas streng gerochen hat. Trotz allem haben wir die
Sachen ausgepackt, Lea hat geduscht und ich habe mich schon mal ins
Bett gelegt. Die ganze Zeit über haben wir aber nicht die Toilette
genutzt und als ich das dann gegen 23h vorhatte, mussten wir
feststellen, dass sie nicht geputzt war und dies sehr deutlich zu
erkennen war.
Und was wurde dann überhaupt geputzt?
Die Frau an der Rezeption hat uns dann mitgeteilt, dass wir
versehentlich (oder auch nicht?) in einem „Stunden-Zimmer“ gelandet
wären und dann haben wir ein neues, größeres Zimmer bekommen, vor dem
wir uns dann aber auch geekelt haben. Diese Nacht haben wir also in
unseren Schlafsäcken verbracht.
Die Nacht in Prince George war übrigens eh eine Übernachtung, die wir
wirklich nur gemacht haben, weil der Zug dort über Nacht nicht weiter
fuhr. Unser eigentliches Ziel war ja wieder Jasper.
Wären wir am nächsten Tag mit dem Zug weiter nach Jasper gefahren (wie
wir es ursprünglich vorhatten), hätten wir den Zug nach Toronto genau um
1,5 Stunden verpasst und hätten weitere 2 Tage in Jasper verbringen
„müssen“. Weil wir Jasper aber schon so gut kannten, haben wir uns dazu
entschlossen, dass System zu überlisten und den Bus zu nehmen, der
schneller war.
Nach einer kurzen Nacht, mussten wir dann um 5.30h schon wieder
aufstehen, um den Bus zu bekommen. Auf die Busfahrt hatten wir überhaupt
keine Lust, aber immerhin dachten wir zu diesem Zeitpunkt, dass es die
letzte längere Busfahrt in Kanada wäre.
Tja und was kommt nun? Natürlich! Der Bus hatte Verspätung. Dieses Mal
haben wir aber einen richtigen Schock bekommen, da wir schon unseren Zug
in Jasper davon fahren sehen haben und das obwohl wir doch alles so gut
geplant hatten. Aber nein, es hat alles gut geklappt. Die Verspätung
hatte sogar noch den Vorteil, dass ich ganz in Ruhe im großen Supermarkt
nebenan einkaufen konnte und wir endlich wieder was zu Essen hatten.
In Jasper angekommen hatten wir sogar noch eine gute Stunde bis zur
Abfahrt nach Toronto Zeit. Wir haben dann mal wieder unsere altbekannten
Plätze eingenommen, unsere Bahnhofsfreunde gegrüßt und ein bisschen im
Internet gesurft.
Da es noch ziemlich leer im Bahnhof war, bin ich dann irgendwann mal
zum Viarail-Schalter geschlendert, um nachzufragen, ob der Zug denn
pünktlich käme.
Aber nein: Der Zug kam gar nicht!
Nachdem der Zug in Vancouver aus den Schienen gesprungen ist, konnte die
Zugfahrt leider nicht fortgesetzt werden und so wurden wir auf den Zug
in 3 Tagen vertröstet und das nachdem wir das ganze System doch so toll
überlistet hatten.
Das war natürlich keine Option für uns und so gingen die Verhandlungen
mit Viarail los. Unser großes Glück dabei war, dass wir die Zugfahrten
schon fest gebucht hatten und wir daher Anspruch auf Ersatz hatten.
Flüge waren Viarail leider zu teuer, aber schlussendlich haben sie sich
dann mit uns darauf geeinigt, uns die Busfahrt nach Toronto zu zahlen:
400$ pro Person für 3 8 0 0 k m B u s f a h r e n !
Als wir die Tickets in der Hand hatten, die insgesamt fast so lang waren
wie Lea groß ist und wir langsam realisiert haben, was wir da vorhaben,
war Lea sprachlos vor Schock. Mit dem Bus haben wir ja bis dahin
wirklich gar keine guten Erfahrungen gemacht und die Vorstellung auf
Greyhound angewiesen zu sein, war nun wirklich keine Gute!
Unsere letzte Information, bevor der Viarailschalter geschlossen wurde,
war, dass der Bus 30 Minuten Verspätung hat.
Dabei ist es nicht geblieben. Wir haben insgesamt 3 Stunden am Bahnhof
verbracht und wussten damit auch, dass wir den Anschlussbus in Edmonton
verpassen würden. Die Situation war zum Verzweifeln.
Mit uns haben auch zwei andere interessante Leute gewartet. Zum einen
der Busfahrer, der den Busfahrer des Busses auf den wir gewartet haben,
ablösen sollte und eine Französin, die zu Besuch bei ihrer Tochter in
Jasper war.
Der Busfahrer kannte unsere Vorgeschichte und hatte echt Mitleid mit
uns, aber nur bei Mitleid ist es für ihn nicht geblieben. Er hat sich
nämlich für uns eingesetzt, indem er durch einige Telefonate dafür
gesorgt hat, dass unsere Reise in Edmonton nicht unterbrochen wird.
Seinen Einfluss haben wir noch gute 1000 km später gemerkt und ihm haben
wir wohl auch zu verdanken, dass wir in der normalen Zeit in Toronto
angekommen sind, aber dazu gleich mehr.
Die Französin hat auf einen anderen Bus gewartet und hat es vorgezogen
dies am Bahnhof zu tun, da sie sich zuvor mit ihrer Tochter gestritten
hat und ihren Kurzurlaub dort verfrüht abgebrochen hat.
Wir und unsere „crazy story“ waren wohl die Rettung ihres Abends und sie
vielleicht auch die von unserem?
Wir haben uns jedenfalls unheimlich lustig mit ihr unterhalten!
Als der Bus endlich kam, sind wir eingestiegen ohne zu wissen, was noch
passieren würde. Uns war es mittlerweile fast egal, wir wollten einfach
nur nicht in Jasper bleiben.
Mitten in der Nacht sind wir dann in Edmonton angekommen und unser
Anschlussbus war natürlich schon weg. Allerdings wurden wir beim
Aussteigen schon Abgefangen. Wir sollten uns keine Sorgen machen, denn
wir würden mit einem 2. Bus den verpassten Bus einholen.
Und diesem verpassten Bus sind wir dann ca. 600 km hinterher gereist!
Erst mit dem besagten Bus und dann noch mit einem Taxi (alleine über
300km)!
Wir sind dann – nach 3 Nächten im Bus – absolut pünktlich morgens um
5.30h in Toronto angekommen. Unser Hostelzimmer konnten wir so früh noch
nicht beziehen, aber immerhin konnten wir duschen und frühstücken.
Wir hätten zwar gerne noch ein bisschen geschlafen, aber da wir nicht
wussten wo, haben wir uns mit einem Kaffee gestärkt und die Müdigkeit
unterdrückt. Lea ist einmal eingeschlafen, nämlich als
ich sie im Future-Shop vorm Fernseher geparkt habe um endlich mal in Ruhe den Laden zu begutachten.
Ansonsten waren wir shoppen (ich besitzt jetzt einen eigenen
Trecking-Rucksack und Lea noch mehr Esprit-Sachen), haben im Hostel
noch gemütlich gekocht und dann unser 4-Bett-Zimmer mit einem netten
Inder bezogen.
Der nächste Tag war dann auch schon Silvester!! Wir waren echt ein
bisschen planlos, was den Abend betraf und sind erst mal gemütlich durch
die Stadt gelaufen, mit dem Ziel uns Wein für den Abend zu kaufen und
unser blödes 8-Bett-Zimmer gegen ein gemütliches Hotelzimmer
einzutauschen.
Dass die Alkoholläden allerdings nur bis 18h offen hatten, haben wir
nicht beachtet und so standen wir dann um 18.30h völlig frustriert vor
unserem Hostel.
Ab da wurde der Abend allerdings besser;) Aufgrund der Fehlbuchung des
Hostels sind wir ja erst in einem 8-Bett-Zimmer gelandet und als
Entschuldigung konnten wir bis dahin schon einmal umsonst frühstücken
und hatten noch unsere Abendessengutscheine über.
Das tolle war jetzt aber, dass das Hostel uns entgegen unserer Erwartung
doch noch ein 4-Bett-Zimmer geben konnte (wieder mit dem netten Inder
vom Vortag) und wir aber trotzdem noch umsonst zu Abend essen konnten.
Der Koch, der eigentlich schon Feierabend hatte, hat uns dann noch ein
herrliches Essen gezaubert.
Wir haben uns dann chic gemacht und sind absolut ziellos losgezogen.
Bei der kleinen Reise durch Toronto haben wir immerhin noch das
Tunnelsystem unter der Erde ausfindig gemacht und waren später dann noch
Cocktails trinken. Dort sind wir dann auch – 6 Stunden später als ihr
Leser(Mama und Papa^^) – ins neue Jahr gerutscht.
Am nächsten Morgen haben wir um 10.15h rausgefunden, dass der Zug nach
London um 11.00h und dann erst wieder um 17h fährt. Wir haben also in
Rekordzeit angezogen, unsere Rucksäcke gepackt, die Sachen aus dem
Schließfach und aus der Küche geholt und sind zum Bahnhof gelaufen –
schnell gelaufen!! Wäre der Zug überpüntklich abgefahren, hätten wir ihn
verpasst, aber so waren wir nur die letzten zugestiegenen Passagiere.
Im Zug haben übrigens einige Leute ihren Rausch der letzten Nacht
ausgeschlafen und teilweise fast ausgekotzt. Mir wars egal, Lea
fands total ekelhaft, zum kotzen.
In London angekommen hat Lea erst mal meine Mitbewohner, inkl. Toby
kennen gelernt. Laut Tara hat Toby zwei Wochen lang jeden
Tag vergeblich mein Zimmer aufgesucht und es dann erst aufgegeben.