Während Lea versuchte, ohne Wasser Kaffee zu kochen und auch die Verpackung des Kaffees nichts für sie war habe ich meine Sachen zusammengepackt. Die Temperatur war auf -32°C gestiegen.
Wir sind zwei Stunden vor unserer Abfahrt zum Bahnhof aufgebrochen, um mit dem Telefon dort weitere Hostels anzurufen. In Kanada gibt es oft freie Nummern, sodass ich ganz entspannt und kostenlos telefonieren konnte.
Der Zug kam dann mit einer dreistündigen Verspätung an, was die meisten Fahrgäste scheinbar gewusst haben, da sie erst kurz vor der Ankunft ganz gemütlich am Bahnhof eingetrudelt sind.
Während des Wartens konnten wir angeleinte Kinder beobachten und uns vor Lachen kaum halten. Auch wollten wir die Zugfahrt professioneller angehen, die großen Rucksäcke wurden aufgegeben und wir reisten nur mit zwei kleinen.
Nach dem Aufenthalt in Jasper waren wir übrigens im Bahnhof ganz bekannt. Die Leute von Viarail, unsere Autovermieter und die Leute vom Kiosk waren bestens informiert über unsere weitere Reise und wussten daher auch schon, dass unser Weg Jasper noch mal kreuzen würde.
Im Zug nach Vancouver haben wir wieder eine Nacht im Sitzen geschlafen und sollten dann eigentlich am nächsten Morgen in Vancouver ankommen – im verschneiten Vancouver sollte man vielleicht betonen! Das ist nämlich äußert selten und soll vor 15 Jahre zuletzt vorkommen sein.
In Vancouver kamen wir allerdings nicht so schnell an, der Zug ist kurz vor der Stadt einfach nicht mehr weiter gefahren und als wir endlich den Bahnhof erreicht hatten, mussten wir feststellen, dass an unseren großen Rucksäcken Tierhaaren geklebt haben und als ich dann auch noch feststellen musste, dass mein Rucksack nach Pisse gestunken hat, waren wir doch langsam etwas sauer!
Ich habe mich bei ViaRail beschwert und 50$ für die Reinigung bekommen.
Entspannen konnten wir uns dann bei unserem kleinen Fußmarsch zum Hostel mitten in Vancouver. Dort angekommen haben wir unsere Sachen im Zweibettzimmer abgestellt und sind Pizza essen gegangen.Nach Verhandlungen bekamen wir „All you can eat“ mit zwei Getränken für 10$. Danach wollten wir duschen und noch mal was trinken gehen, aber ich bin noch in Klamotten auf dem Bett eingeschlafen….
Am nächsten Tag waren wir sehr augeschlafen und sind gleich um 7h aufgestanden, haben unser Gepäck gelagert und sind Richtung Stanley-Park aufgebrochen. Dorthin haben wir eine Menge Umwege genommen, weil es so viele interessante Ecken zu sehen gab und manchmal fiel unsere Entscheidung, welchen Weg wir nehmen sollen, auch einfach danach, wie gut der Weg geräumt war.
Man konnte merken, dass die Leute in Vancouver keinen Schnee gewöhnt sind. Dort ist alles, genau wie in Deutschland nach einem kurzen Wintereinbruch, zusammengebrochen.
Das schöne an dem Wetter war die Ruhe, die wir dort einen Tag vor Weihnachten hatten. Obwohl wir Downtown unterwegs waren, sind uns so früh morgens kaum Leute begegnet, v.a. nicht zu Fuß. Wir haben noch einem netten japanischen Pärchen geholfen, ihr Auto aus den Schneemassen zu befreien, indem wir angeschoben haben und später haben wir noch einen seltsamen Typen im Park getroffen, der uns erzählt hat, dass er kurz zuvor ein Wolf-ähnliches Tier gesehen hätte.
Dieses Tier konnten wir dann kurze Zeit später auch bewundern: ein Kojote, der überhaupt nicht menschenscheu war.
Vom Park aus hat man einen tollen Blick auf die Skyline von Vancouver und den davor startenden und landenden Wasserflugzeugen. Das hat natürlich den Piloteninstinkt geweckt und so war unser nächstes Ziel die Anlegestelle der Wasserflugzeuge. Von dort aus hätten wir auch wunderbar in einer Stunde zu unserem nächsten Ziel, nämlich Nanaimo auf Vancouver Island, fliegen können, aber aus finanziellen Gründen haben wir dann doch lieber die Fähre genommen. Also Sachen aus dem Hostel holen und mit dem Bus zum Fährenhafen Horseshoe Bay fahren, um mit der 17h-Fähre überzusetzen. Wir waren nicht die Einzigen mit dieser Idee! Der Bus war komplett voll und die Fähre sowieso. Vancouver Island ist wohl ein ganz beliebtes Ziel über die Feiertage.
Immer dann, wenn wir unsere großen Rucksäcken aufgeschnallt hatten, haben wir auch die breite Aufmerksamkeit unserer Umgebung erhalten. Im Bus war speziell eine Frau sehr neugierig und hat lang und breit mit uns gequatscht, aber auch die anderen Fahrgäste haben interessiert zugehört, was wir immer wieder dann gemerkt haben, wenn die Frau eine von unseren Fragen zu Einwohnerzahlen in Vancouver und Umgebung nicht beantworten konnte und sich dann jemand anderes zu Wort gemeldet hat.
Die Fährenfahrt nach Nanaimo ging recht schnell vorbei (1,5 Std). Der Hafen dort lag allerdings wieder etwas außerhalb und so konnten wir nicht, wie sonst, zu Fuß zum Hostel laufen, sondern waren auf den Bus angewiesen. Und der hat auf sich warten lassen…
Während alle anderen Personen in Autos und Taxis verschwunden sind, waren wir die einzigen Personen an der Bushaltestelle und haben bei Schneefall auf unseren Bus Nr. 2 gewartet.
Im schönsten Hostel Kanadas angekommen, konnten wir auch mal wieder mit anderen Leuten Deutsch sprechen, denn alleine zwei Mitarbeiter dort waren deutsche Austauschstudenten.
Am nächsten Morgen gings dann schon früh weiter mit dem Bus zum nördlichen Punkt der Insel nach Port Hardy. Da dies der einzige Bus an diesem Tag war, die Fähre im Winter nur einmal die Woche fährt und unsere weitere Reise davon abhing, nicht zu verschlafen, hat Lea in dieser Nacht fast gar kein Auge zubekommen. Ich dagegen habe tief und fest geschlafen, ich konnte mich ja auf den Wecker verlassen.
Es hatte die ganze Nacht über geschneit und so mussten wir durch die natürlich noch nicht geräumten Straßen zur Greyhound-Bushaltestelle stampfen. Zu Fuß ist in Kanada eigentlich sowieso niemand unterwegs und mit so viel Gepäck würde erst Recht kein Kanadier von A nach B laufen. Somit war es wohl kein Wunder, dass unser Weg noch nicht frei war.
Die Busse in Kanada werden alle von dem Unternehmen Greyhound betrieben, das zwar auf den ersten Blick absolut unorganisiert erscheint, aber auf den zweiten Blick erkennt man doch ein System dahinter.
Als wir gerade unsere Rucksäcke verstaut hatten und einsteigen wollten, war der Bus voll. Einfach voll…
Als Europäer war es für uns unvorstellbar, dass ein Busunternehmen keinen Überblick über seine Fahrgäste hat und dann noch ganz spontan ein zweiter Bus und Busfahrer organisiert werden musste. Wir sollten uns aber einfach keine Sorgen machen, da wir an einem Zwischenhalt wieder in den Bus mit unserem Gepäck umsteigen könnten, wurde uns versichert.
Wir haben dann also 30 Minuten mit 8 Leuten gewartet, u.a. einem deutschen Blockhäuser-Bauer aus Stuttgart, der übrigens im gleichen Hostel wie wir geschlafen und v.a. VERschlafen hat und mit dem wir uns noch im ersten Bus die ganze Zeit unterhalten haben.
Der Bus war allerdings ein Hammer: Es roch so unglaublich durchdringend nach Pisse, dass selbst das Durftspray vom Busfahrer keine Wirkung gezeigt hat.
Zum Glück konnten wir nach einer Stunde den Bus wechseln, aber noch nicht in den Bus mit unserem Gepäck. Den haben wir erst gegen Ende der Reise wiedergesehen.
Durch den Schneefall wurde die ganze Fahrt extrem behindert, sodass wir erst ein bisschen später an der Fähre angekommen sind, aber unser Busfahrer war so nett und hat uns und ein paar andere Leute direkt zur Fähre gebracht und nicht wie erwartet einige Kilometer davon entfernt abgesetzt. Vielleicht war das sein Weihnachtsgeschenk, denn wir hatten immerhin den 24.12.!